{"id":1494,"date":"2020-07-21T09:27:46","date_gmt":"2020-07-21T07:27:46","guid":{"rendered":"https:\/\/generationenberatung-eidloth.de\/?p=1494"},"modified":"2021-12-10T11:00:39","modified_gmt":"2021-12-10T10:00:39","slug":"wenn-schwiegereltern-und-all-die-lieben-verwandten-ploetzlich-miterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/generationenberatung-eidloth.de\/?p=1494","title":{"rendered":"Wenn Schwiegereltern und all die lieben Verwandten pl\u00f6tzlich miterben"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer sein Testament ohne Notar macht, muss es handschriftlich verfassen. Und ordentlich schreiben. Unleserliche Testamente sind ung\u00fcltig. Au\u00dferdem sind noch auf einige Formulierungen zu achten.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;Ehepaare und besonders die, die es ohne Trauschein sind,&nbsp; sollten dringend ein Testament machen. Stirbt ein Partner, kann es sonst heikel werden &#8211; denn dann ist Teilen mit der Verwandtschaft angesagt. Von Berrit Gr\u00e4ber<\/p>\n\n\n\n<p>Verliebt, verlobt, ob verheiratet oder nicht &#8211; und sofort ein gemeinsames Testament machen. So n\u00fcchtern diese Reihenfolge klingt, so wichtig kann sie f\u00fcr die Zukunft eines Paares sein. Denn: Gibt es keinen (gemeinsamen) Letzten Willen, erben Schwiegereltern, Tanten, Onkel,&nbsp; Geschwister und so manch ein anderer mit, sollte einer der Partner sterben. Oder es ist Teilen mit der \u00fcbrigen Verwandtschaft angesagt. &#8222;Das k\u00f6nnen ganz h\u00e4ssliche Erbf\u00e4lle werden, wo sich ganze Familien auf Jahre hinaus Zerstreiten &#8222;, sagt Michael Henn, Vizepr\u00e4sident der Deutschen Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung f\u00fcr Erb- und Familienrecht&nbsp;(DANSEF).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nur selten haben frisch verheiratete Paare und noch seltener jene, die nicht verheiratet sind, nach der Eheschlie\u00dfung schon das gemeinsame Testament auf der To-do-Liste. Die Partner gehen oft davon aus, dass der andere erbt oder zumindest Miterbt, wenn einer von ihnen stirbt. Ein fataler Irrglaube, der sich hartn\u00e4ckig h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>So hart ist die Realit\u00e4t:&nbsp;Gibt es kein Testament, in dem sich das Ehepaar oder die eingetragenen Lebenspartner gegenseitig zu Alleinerben einsetzen, greift eine sonderbare gesetzliche Erbfolge. Und die besagt: Ist das Paar im G\u00fcterstand der Zugewinngemeinschaft verheiratet oder Verpartnert, dann erben die ganzen Verwandten und sogar noch deren Angeh\u00f6rige. &nbsp;&#8222;Schlagen sie dies nicht aktiv aus, indem sie innerhalb von sechs Wochen zum Notar gehen, sind sie automatisch Erben&#8220;, betont Henn, Fachanwalt f\u00fcr Erbrecht in Stuttgart. Leben die Eltern nicht mehr, erben Geschwister, Halbgeschwister respektive die Gro\u00dfeltern, Anverwandte und so weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>So h\u00e4sslich kann es werden:&nbsp;<br>Ein junges Paar heiratet. Kurz darauf verungl\u00fcckt der Ehemann t\u00f6dlich. Die Witwe hat pl\u00f6tzlich die Schwiegereltern, deren Geschwister und seine Geschwister als Miterben. Und weil diese auf ihr Erbteil pochen, muss sie die neu erworbene Wohnung, die Uhrensammlung und das Auto des Verstorbenen verkaufen und sie ausbezahlen.&nbsp;<br>Anderes Beispiel:<br>Ein Paar bleibt mehr als 30 Jahre lang zusammen. Der Mann stirbt. Seine Eltern sind bereits tot. Aber er hat noch zwei Br\u00fcder und die jeweils eigene Kinder. Sie werden zu Miterben und verlangen ihren Anteil. Die 60-j\u00e4hrige Witwe muss ihr Zuhause verkaufen, um sie auszubezahlen. Die naive Vorstellung, dass der (Ehe)partner automatisch alles oder zumindest Miterbt, sei eine &#8222;hartn\u00e4ckige M\u00e4r&#8220;, warnt Paul Gr\u00f6tsch, Fachanwalt f\u00fcr Erbrecht und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Deutschen Forums f\u00fcr Erbrecht in M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das muss geteilt werden:&nbsp;&#8222;selbst zum Hausstand geh\u00f6renden Sachen wie Mobiliar, Teppiche oder das Porzellan.<br>Geht es um pers\u00f6nlichen Besitz wie ein Auto, die Hi-Fi-Anlage, Musikinstrumente, Erinnerungsfotos, Armbanduhren oder Schmuck, gilt dagegen: Die Schwiegereltern haben zusammen Anspruch auf ein Viertel. &#8222;Manchmal wird selbst um pers\u00f6nliche Dinge wie das Rasierset des verstorbenen Sohnes erbittert gestritten&#8220;, sagt Erbrechtsspezialist Bittler.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch um das wird gestritten:&nbsp;Gibt es Verm\u00f6gen auf Konten oder Depots, muss die Witwe das teilen. Streit ist meist unausweichlich. &#8222;Kam das Verm\u00f6gen vor allem von Seiten ihres Kindes, haben manche Eltern das Bed\u00fcrfnis, m\u00f6glichst viel zur\u00fcckzuholen&#8220;, so Henn. Ebenfalls problematisch: Bewohnte das Paar eine gemeinsam Immobilie, k\u00f6nnen die Schwiegereltern, Geschwister, Schwager, deren Neffen der Schwager oder die Schw\u00e4gerin Miete von dem \u00dcberlebenden verlangen. Oder sie wollen \u201eBar\u201c Ausbezahlt werden. Dann muss die Witwe verkaufen, wenn sie das Geld nicht hat, denn Auszahlungen m\u00fcssen innerhalb von 2 Monaten erledigt werden. Kann sich die Erbengemeinschaft nicht einigen, kommt es zur Zwangsversteigerung. &#8222;Je weniger eng die Bindung zwischen den Erben, desto schwieriger wird es&#8220;, betont Gr\u00f6tsch.&nbsp; War das Paar in G\u00fctertrennung verheiratet, sieht es f\u00fcr den verwitweten Partner noch schlechter aus. Er erbt dann sogar unter Umst\u00e4nden gar nichts au\u00dfer Schulden. Der Rest geht an die Verwandtschaft.<br>An den Pflichtteil denken:&nbsp;Obwohl ein kinderloses Paar mit seinem Testament die Eltern de facto enterbt, steht diesen im Todesfall nach wie vor ein Pflichtteil zu. Er betr\u00e4gt die H\u00e4lfte des gesetzlichen Erbteils. Wer das umgehen m\u00f6chte, kann Vater, Mutter oder Geschwistern testamentarisch Gegenst\u00e4nde vermachen. Zum Beispiel den Jugendstilsekret\u00e4r oder Schmuck. &#8222;Damit sind viele zufriedengestellt&#8220;, wei\u00df Erbrechtsspezialist Gr\u00f6tsch.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Vorsicht, Auslandsaufenthalt:&nbsp;Ein Muss ist das gemeinsame Testament f\u00fcr Paare, die im Ausland leben. Stirbt ein Partner au\u00dferhalb Deutschlands, ist seit 2015 f\u00fcr den Nachlass in den meisten L\u00e4ndern der EU die Rechtsordnung vor Ort zust\u00e4ndig &#8211; also das Erbrecht des Landes, in dem sich der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes st\u00e4ndig (mehr als 42 Tage) aufhielt. &#8222;Wer beruflich f\u00fcr zwei Jahre nach Singapur geht, nach \u00d6sterreich zieht oder auf Mallorca \u00fcberwintert, sollte auch ans dortige Erbrecht denken&#8220;, erl\u00e4utert Gr\u00f6tsch. Es kann f\u00fcr den Witwer oder die Witwe noch ung\u00fcnstiger ausfallen als in Deutschland. Wer Nachteile vermeiden will, muss im Testament ausdr\u00fccklich festschreiben, dass das deutsche Erbrecht gelten soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerne melden Sie sich bei mir\u2026..<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer sein Testament ohne Notar macht, muss es handschriftlich verfassen. Und ordentlich schreiben. Unleserliche Testamente sind ung\u00fcltig. 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